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Taurelin.de
Meine Güte, selten habe ich ein CD-Review so lange vor mir hergeschoben wie dieses, denn auch nach dem schätzungsweise 73ten Durchhören traue ich mir kaum ein fundiertes Statement zu "Eerie Sphere" zu. Normalerweise würden fehlende Eingängigkeit, undurchschaubare Songstrukturen und filigrane Verworrenheit zu massiven Punktabzügen in der B-Note führen. Glücklicherweise handelt es sich bei Deviated Presence nicht um eine normale Band, die mit herkömmlichen Maßstäben zu messen ist. Dafür geht man viel zu eigenständig und fundiert zu Werke, was im Endeffekt heißt, dass man nur konsequent den mit dem Debüt "Fall's Passage" eingeschlagenen Weg weiterverfolgt und an den Details präzise gefeilt hat.
Der Opener "Hostile" ist ein Musterbeispiel für diese Entwicklung. Nach einer großartigen Eröffnungssequenz bekommt man erstmal ein heftiges Blastgewitter um die Ohren gefegt, so dass einem Hören und Sehen vergehen. Ein grandioser Refrain und gelegentliche melodische Erholungspausen sorgen aber für den notwendigen Zusammenhalt. Weiter geht es mit "Restart", auf den ersten (oder 72ten) Blick ein extrem sperriges Stück mit einem phantastischen Chorus und völlig unterschiedlichen Strophenpassagen. Bei diesem Song zeigt sich typischerweise auch, dass die Band auf lyrischer Ebene inzwischen problemlos die Klasse von Bands wie DARK TRANQUILLITY erreicht und Melancholie, Hoffnungslosigkeit und tiefgründige Gedanken über das Leben und die Existenz an sich in wunderbarer Weise musikalisch verpackt.
Dass man handwerklich und kompositorisch gekonnt und auf höchstem Niveau agiert, ist spätestens seit dem Debüt selbstverständlich. Hier sitzt jedes Break perfekt, und jede einzelne Note birgt Relevanz im Zusammenhang der gesamten Soundlandschaft. Dabei stechen diesmal der verbesserte cleane Gesang und die viel komplexere (aber trotz elektronischer Unterstützung stets nachvollziehbare) Schlagzeugarbeit heraus. Einziges Manko ist meines Erachtens lediglich, dass teilweise der individuelle Charakter der einzelnen Songs zwischen den spielerischen Extravaganzen etwas verloren geht. Insofern fällt es etwas schwerer, herausstechende Highlights zu benennen. Einerseits wäre da das komplett akustisch gehaltene "Rest" hervorzuheben, und entgegen des anderslautenden Titels ist "Chaos" ebenfalls ein empfehlenswerter Anspieltipp der leichtverdaulicheren Kategorie. Ein ganz besonderes Schmankerl findet sich mit "Reawakening" als Hidden-Track am Ende der CD. Hier präsentiert die Band den Song "Awakening", ein absolutes Meisterstück vom Debüt, in einem neuen Gewand, nämlich nur mit Piano und Gesang, und beweist damit eindrucksvoll, dass eine geniale Komposition unabhängig von der instrumentalen Interpretation funktioniert.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass Deviated Presence mit ihrem Zweitwerk ihren individuellen Stil "unstraight melodic Death Metal" ausbauen und verfeinern und im Vergleich zum Debüt in jeder Hinsicht extremer vorgehen, sowohl im Hinblick auf die zwischen verträumt und bitterböse schwankenden emotionalen Passagen, als auch was die Verbindung aus technisch-steriler Kälte und einer an EMPEROR erinnernden atmosphärischen Erhabenheit betrifft. Ganz großes Kino!
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