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Metal.de (7/10 Pkt.)
"Die Geschichte der Menstruation der Frau ist eine Geschichte voller Missverständnisse."
Ja, das war doch mal ne Wahnsinnswerbung. Ich frage mich zwar, wer außer ner Frau noch so alles ne
Regelblutung bekommt, aber wenn man die adrett gekleidete, höchst seriöse junge Dame allabendlich
über die Mattscheibe laufen sah, war klar, dass OB so ziemlich das Beste ist, was frau sich …
ähm … reintun kann (hüstel). Aber wir wissen bis heute nicht, was die Dame mit dem Diaprojektor
vorhatte! Deviated Presence liefern die Antwort : auf den Dias waren versagende Tampons der
Konkurrenz zu sehen! Völlige Fehlkonstruktionen eben. In etwa so eine, wie sie auf dem Cover
von „Eerie Sphere“ zu bestaunen gibt. Und wenn so ein Tampon aufgibt, ist die Panik/Hektik
natürlich groß. Wie fein, dass die drei Bochumer Jungs gleich den passenden Soundtrack dazu liefern.
Gleich von Anfang an herrscht hier das blanke Entsetzen, das dem kopflosen Herumrennen unweigerlich
folgt, denn die Mucke entzieht sich den meisten Kategorisierungsversuchen so beharrlich wie der
Faden eines versagenden Tampons dem Zugriff der entsetzten Benutzerin.
Wer hier nach 0815 Riffing und eingängigen Songstrukturen wie etwa nem einprägsamen Refrain sucht, kann
sich gleich ne Slipeinlage holen. Die Jungs sind völlig abgedreht und ein jeder der Songs zielt
wohl darauf ab, die Gehörgänge der werten Hörerschaft nachhaltig zu verknoten. In der Info steht
was von Death-Thrash-Power-Prog-Metal mit Jazz Einflüssen …
Tja, wenn man meint. Eigentlich hat man nach ein paar Minuten den Eindruck, hier würden Opeth mit Theory
In Practice herumhuren. Vielleicht treiben die’s aber auch mit Voivod in nem flotten Dreier, zumal die
Eröffnungssequenz von „Hope“ durchaus an die Kanucks erinnert. Die Klampfen klingen auch bei
den anderen Stücken manchmal herrlich verquer und unkonventionell. Hin und wieder meint man sogar
ein bisschen von den deutschen Golem rauszuhören. In einem jeden Song haben Deviated Presence gleich
so viele Ideen verarbeitet, dass es bei den straighteren Vertretern der Szene gleich für drei oder
vier Alben gereicht hätte. Hinzu kommen allerhand schwarzmetallische Melodien und ein intelligenter
Einsatz an den Leadklampfen, die den furiosen Stil der Band ebenso ausmachen wie das irre
Songwriting und die vielen Spannungsbögen. Interessant ist auch die Tatsache, dass der
nicht lebendige Drummer tatsächlich sehr ansprechend (im Verhältnis) programmiert wurde und den
prächtig in Szene gesetzten Klampfen/Bass entsprechend abgedrehte Figuren auf die virtuellen Felle
hämmert. Nicht übel! Dabei kommen ein paar derart absonderliche Breaks heraus, dass man manche
Meshuggah Klangattacken als geradlinig bezeichnen könnte. Doch bei aller unbestreitbaren Spielfinesse
und der im Übrigen recht guten Produktion (es fehlt nur ab und an etwas an Druck) sowie den
mannigfaltigen Ideen, die das komplexe Songwriting höchst abwechslungsreich gestalten und so zu
jeder Zeit der Langeweile fernhalten, gibt es ein großes Problem: das Ganze ist schon während des
Openers „Hostile“ so verwurstelt und verfrickelt, dass die Eingängigkeit oftmals sehr schmerzlich
auf der Strecke bleibt. Und wo die vorhin erwähnten (und von mir sehr geschätzten) schwedischen
Theory In Practice bei aller Anarchie was das Songwriting angeht, doch stets in der Lage sind,
nachvollziehbare Titel zu komponieren, driften die Deutschen zu häufig in leider viel zu überladene
und verknäuelte Songbauten ab, so dass man gar nicht recht mitbekommt, dass ein neuer Track
angefangen hat. Einigermaßen absonderlich wirken dabei zudem die cleanen Vocallines, da sie zuweilen
bemüht klingen und auch nicht immer die Töne mittig treffen.
Allerdings muss man den Herren auch zugestehen, dass sie sich in keinem der 8 überlangen Songs um
irgendwelche Konventionen scheren und ihre Mucke konsequent gestalten. Das macht die Chose natürlich
nicht eingängiger.
Dennoch liegt in dieser Band ein gewaltiges Potential verborgen, das es weiterhin auszubauen und
auszuschöpfen gilt. Wollen wir hoffen, dass bis dahin nicht allzu viele OB’s das Klo runtergespült werden …
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