Deviated Presence
Deviated Presence Deviated Presence
 
 

Home
Info
Musik
Live
   Live-Reviews
Reviews
Shop
Pics
Gästebuch

Links
Kontakt

Deviated Newsletter



English
  <zurück>

www.taste-of-black.ch:

Hellfire mit

Hidden In The Fog/ Deviated Presence/ Darkmoon

25.2.2006, Zürich, Dynamo Werk 21

Die Knüppelnacht scheint eine feste Konstante für alle Schweizer Metalheads zu werden. Nach dem ausverkauften Konzert mit Equilibrium und Co. ist auch heute wieder eine "deutsche Nacht" angesagt: Die Avantgarde Black Metaller von Hidden In The Fog sind auf Tour mit der Prog Death Metal-Truppe Deviated Presence, unterstützt wird dieses Duo von den wohlbekannten und -beliebten Darkmoon. Und das Phänomen wiederholt sich erneut: Ich bin nun zum fünften Mal im Dynamo Werk 21, und jedes Mal herrschte beste Stimmung, diese Location ist wirklich sympathisch.
Glücklicherweise ist das Dynamo heute nicht so überbevölkert wie letztes Mal, wo es wirklich nahe am Chaos war, heute ist es "lediglich" angenehm voll, familiär, genauso wie es sein muss. 

9 Uhr, erste Station, alle Passagiere bitte aussteigen: Darkmoon ist angesagt. Keine Ahnung warum, aber jedes Mal, wenn ich die Band live begutachte (und heute ist wahrlich nicht der erste Termin), ist es wie das erste Mal. Liegt es an der Art, wie das Quintett seine Riffs serviert, immer und immer wieder "unterbrochen" von fantastischen Hooklines und Melodien, dann wieder im brutalen Schwedisch-Stil, an Bands wie Amon Amarth erinnernd ("The Bitter End") oder auch mit Einflüssen aus dem melodischen, emotionalen Black Metal (die Hymne "Evil Goddess Of The Night", meine Damen und Herren, es darf ausgerastet werden), ist es die Art und Weise, wie Frontmann Matthias auf seine charakteristische, charismatische Weise aus sich herausgeht, mit seiner tief grollenden Stimme und den netten und smarten Ansagen, immer mit einem kleinen Lächeln auf dem Gesicht, ist es die Art, wie Darkmoon ihr Können als Mannschaft, als wahre Einheit zeigen, auch wenn sich hier und da technische Probleme bemerkbar machen (Rückkopplungen, und wie mir Matthias nach dem Konzert erzählte, hat er vom Gesang so gut wie nichts gehört)? Offen gesagt, ich weiss es nicht, auf jeden Fall kommt massiver Applaus vom Publikum, und nach zwei Minuten ist es heisser als in einer finnischen Sauna. Laurent Strack ist bereits ein Teil des Darkmoon-Universums, spielt einige Parts anders als sein Vorgänger Hubi, und als Matthias ihn den Leuten vorstellt, gibt's warmen Applaus. Eine weitere Neuheit macht sich ebenfalls bemerkbar: Sehr oft liefert Bassist Pascal hysterischen Background-Kreischgesang in bester Black Metal-Manier ab, was besonders beim Chorus von "Evil Goddess Of The Night" sehr geil kommt. Ausserdem ist es Zeit für eine Première: "My Misery", ein brandneuer Song, kommt erstmals zum Zug und passt sehr gut in den Rest des Sets, erneut etwas Schwedisch angehaucht, aber mit dem typischen Darkmoon.-Riffing und einigen packenden Melodien. Weil die Spielzeit einigermassen begrenzt ist, konzentrieren sich Darkmoon auf das aktuelle Album "...Of Bitterness And Hate", und natürlich müssen die fünf Mannen eine nicht geplante Zugabe spielen, Gitarrist Gianrichy hatte seinen Verstärker bereits ausgeschaltet, merkt dies dann aber nach den ersten Tönen des Hypocrisy-Covers "Roswell 47" relativ schnell, trotzdem können sich Matthias und Pascal ein Grinsen nicht verkneifen. Die Zuschauer wollen mehr, laute "Zugabe!"-Rufe hallen durch den Keller, aber leider ist nun endgültig Sense. Erneut ein starker Auftritt, und irgendwie bin ich sicher, dass sich das nicht mehr ändern wird.

Setlist Darkmoon
The Damned
Lost Soul
Bitter End
Evil Goddess Of The Night
My Misery
Dust In My Eyes
Drowning
The Fallen One
The Cell
Roswell 47 (Hypocrisy-Cover)

Dann ist es Zeit für Deviated Presence. Bisher hatte ich noch nix von der deutschen Band gehört, somit ist die Spannung einigermassen gross. Und ja, solche Überraschungen mag ich. Deviated Presence, das ist progressiver Death Metal auf der höchsten Stufe. Der Versuch, die Riffs pro Song zu zählen, scheitert kläglich. Die Liedtürme sind mindestens sechs Minuten lang, und es gibt tausende Breaks, Wechsel der Atmosphäre, erst straight forward, dann jazzig-proggressiv, tiefes Grunzen, plötzlich doppelstimmiger Klargesang, furiose und virtuose Zwillings-Gitarren, Solo-Parts, Emotionen wie Traurigkeit, Hass, Schizophrenie, naja, kurz gesagt, es ist nicht gerade einfach, die Musik und das Wesen von Deviated Presence zu beschreiben. Das Trio hat keinen Schlagzeuger, aber der Computer wurde gut programmiert, dem Sound nach wäre es jedenfalls nicht verwunderlich gewesen, jemanden aus Fleisch und Blut hinter dem Kit sitzen zu sehen. Aber "... wir haben keinen Schlagzeuger gefunden, der fähig war, unsere Sachen zu spielen!", erklärt Sänger und Gitarrist Felix mit einem Lachen, und er feuert die Leute an und bedankt sich lautstark, denn offenbar hatten Deviated Presence (und auch Hidden In The Fog) gestern einen Gig in Bayern, welcher aufgrund einer katastrophalen Soundanlage und einem Publikum auf Valium ein mittelschweres Desaster war. Und auch wenn die Reaktionen nicht so frenetisch wie bei Darkmoon ausfallen, sind die Deutschen mehr als angetan und hochengagiert. Die Band nennt sich selbst "Unstraight Melodic Death Metal", und meiner Meinung nach ist dies die perfekte Beschreibung für Deviated Presence. Einige Leute stehen mit heruntergeklappter Kinnlade vor der Bühne und können nicht glauben was sie sehen, andere probieren zu bangen (was sich als nicht allzu leichte Aufgabe erweist), einige verlassen den Raum, aber die meisten bleiben und sind Teil einer wirklich unkonformen Metal-Show einer Band, die so individualistisch ist, wie man als Band nur sein kann. Wenn man auf Death Metal mit Tonnen von Einflüssen und Elementen und einer sehr eigenen Note steht, MUSS man sich Deviated Presence anhören. Well done, ihr dürft wieder mal kommen!

Und nun endlich, die Underground-Avantgardisten von Hidden In The Fog. Ich wusste ja, dass die Band stark ist, aber ich hätte niemals erwartet, was nun kommt. Hidden In The Fog, das sind die einzig wahren Nachfolger der allmächtigen Emperor, progressive Black Metal-Kunst, faszinierend und dominierend. Sänger und Gitarrist Sid, in ein weisses Shirt gekleidet, ein wahrer Anführer, manchmal besessenes Kreischen, dann zerbrechlicher Klargesang, und eine sensationelle Mimik und Gestik. Das Höllentor wurde geöffnet, die Leute bangen in Ekstase und feiern diese geniale Band. Lieder aus allen Perioden werden gespielt, natürlich auch vom fantastischen neuen Album "Damokles", aber auch ganz alter Stoff wie ein Song vom ersten Demo, der reiner, purer, vernichtender Old School Black Metal mit eisigen Riffs und hasserfülltem Gesang ist. Aber zurück zur Gegenwart: Wie Deviated Presence haben auch Hidden In The Fog eine sehr eigene Natur, eine ganz eigene Art des Songwritings, des Auftretens, das beste ist einfach, sich diese Band anzuhören und sich damit zu beschäftigen. Alexander F.J. Creuzfeld, der zweite Gitarrist (Aushilfe von Psykra), ist der grimmige Teil, während Bassist Lothargie (ebenfalls Gastmusiker von Psykra) völlig in der Musik zu versinken scheint. Hidden In The Fog tragen das Publikum zu einer neuen Sphäre, einer neuen Galaxie der Gedanken. Und wie zuvor bei Deviated Presence schöpft die Band offensichtlich Kraft aus den fantastischen Reaktionen, Hidden In The Fog geniessen es augenscheinlich, auf dieser Bühne mit diesen fanatischen Anhängern zu stehen. Bizarre Keyboards, hypnotische Rhythmen und Strukturen, beeindruckende Gitarrenleads und ein wirklich berührender Gesang, dies sind die Merkmale von Hidden In The Fog. Und dann diese Blasts, verflucht, solche Blasts hört man selten, so schnell und kraftvoll. Mit der Zugabe kommt der Höhepunkt des Abends und eins der geilsten Erlebnisse, die ich bisher an einem Konzert erlebt habe: Eine fantastische, eine ultimative Version von Emperors "I Am The Black Whizards" (sogar besser als die damals am Death To Peace I von Dark Fortress). Jeder unmittelbar vor der Bühne bangt sich die Haare vom Kopf und geht mit, wie wenn es kein Morgen gäbe, die Energie in der Luft ist spürbar, das Konzert hätte kein besseres Ende finden können und in solchen Momenten weiss man gottverflucht wieder einmal, warum Metal.

Der geile Abend endet mit einer dicken Party mit Freunden und Mitgliedern von Darkmoon und Hidden In The Fog, und die Reise zur Knüppelnacht war erneut sehr lohnenswert. Man sieht sich am nächsten Höllenfeuer...

<zurück>